#4

rkey4

Buden. Märkte. Rummel. Er ging gerne unter Menschen. Er deckte sich zu mit ihnen. So wie er sich früher vergrub in seinem Bett. Geborgen von Bezügen, in welche bunte Bilder eingewebt waren, prall vor Federn. Buden. Märkte. Rummel. Mit der Dunkelheit wühlte er sich in das Gedränge um die Tränken. Hatte er gesoffen, musste er den Mund nicht mehr halten, dann war alles in Ordnung mit seinen Worten.
Buden. Märkte. Rummel. Schwappten die Menschen über ihm zusammen, hielt er beide Augen fest geschlossen und hoffte, dass ihm sein Herz gefror zu einem Häuflein schwarzer Glut, dass es endlich Schlafenszeit genug war.

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#3

rkey3

Brücken, es gab so viele Brücken! Zu ihm aber, zu ihm führte keine mehr. Dabei hatte er weder etwas verbrochen noch abgebrochen. Es war, als sei jede Brücke zu ihm über Nacht fortgeschafft worden. Brücken, die offenbar anderswo gebraucht wurden.
Zu was sollten Brücken bei ihm noch groß führen? Keine Sehenswürdigkeit bedeutete er mehr. Und die Himmelsgeschöpfe, welche ihn einst bevölkerten, die waren ihm längst ausgegangen.
Für sich musste er fortan stehen. Als einer, dem nachgesagt wurde, dass er alles selber verbrochen und abgebrochen hatte. Weil es doch eigentlich Brücken genug gab, so viele Brücken!

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#2

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Als die Luftballons aufgeblasen waren, machten sie Ernst. Selbst der Klassenclown hatte längst aufgehört mit seinen Fettpölsterchen. Cremefarben ihre Rüstungen, „Air“ hießen die Kampfstiefel, „Energy“ ward ihnen in bunte Feldfläschchen gefüllt. Er aber, er blieb hängen. Ihn hatten die Erinnerungen sich gegriffen. Im hinteren Teil der Aula, wo der Applaus nie so richtig ankam. Da sah sein Abschlusszeugnis für Augenblicke zu ihm auf, als wäre es das Allererste: Mehr würde ein Leben ihm niemals zaubern können, mehr ist nicht! Zehn Jahre, die weitere fünfzig, sechzig, siebzig Jahre bloß ärmer machten, immer ärmer! Unter Gesten, dass es ja nun nicht mehr weiter wichtig sei darum, streiften die Erinnerungen ihm den Körper ab. Sie ließen den Körper gehen, zur Aula hinaus und einmal um die Welt. Ihn jedoch behielten sie da. In einer Aula von vor fünfzig, sechzig, siebzig Jahren, wo Luftballons lagen und wo der Applaus nie so richtig ankam.

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#1

rkey2

Er stieg in sich hinab, Wort für Wort. Und jedes Wort ließ er einen Augenblick stillstehen. Als wolle er das Wort einschwören auf die Einsamkeit, die es würde überdauern müssen. Mit dem Zeigefinger drückte er das Wort zum Lebewohl. Als könne es die Glut eines Menschenlebens in sich bergen. Am Ende ließ er seine Worte hinaufsteigen, Luft zu finden und Licht. Er dagegen blieb, wo er einmal angekommen war.

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